2026-04-10
Es war endlich wieder so weit. Ich träumte von dir. Ich danke dir dafür, du da oben.
Wir befinden uns in einem kleinem, weißen Raum. Um uns herum steht nichts weiter als ein Fernseher und eine große, graue Couch.
<<Ich habe dich so unendlich vermisst. Was hat so verdammt lange gedauert!>> platzte es aus mir raus, während ich links von dir auf der Couch saß.
<<Spürst du es noch immer? Unsere Verbundenheit. Dass wir Schicksal sind.>> fragtest du mich leise.
<<Die Liebe weicht niemals von dem ab, was ihr bestimmt ist.>> antwortete ich. <<Es vergeht kein Tag, an dem dein Geist mir keinen Gute Nacht Kuss gibt. Besonders, seitdem ich dich mit einem anderen gesehen habe, sein Arm um dich gelegt. Wie romantisch.>> Ich lachte kurz ironisch auf, aber ohne Groll.
<<Aha>> erwidertest du, <<du weißt also noch immer gar nichts über mich.>>
<<Es spielt keine Rolle mehr. Ich weiß, dass du nun endlich wieder bei mir bist, und mehr brauche ich nicht zu wissen. Diesmal entkommst du mir nicht.>> sagte ich von Gewissheit getragen.
Mein Herz raste, ich bekam kaum noch Luft. Du sahst mich an, mit diesen glänzenden Augen. Ich nahm dich in meine Arme, drückte deinen Kopf an meine Brust und sofort überkam es mich wieder. Das Gefühl, nachdem ich so lange hilflos gesucht hatte. Ich konnte meine Hände nicht von dir lassen, sie fanden immer wieder zurück zu deiner Taille, als hätten sie dort ihren Platz gefunden.
<<Mein Engel, meine Seele… du bist mein Himmel auf Erden.>>
Aus deinen Augen liefen leichte Tränen, doch dein Gesicht strahlte eine tiefe Glückseligkeit aus. ****Und dann spürte ich es wieder. Dieses vertraute, feuchte und mysteriöse Etwas, das dich schon immer umgeben hatte. Ich tauchte erneut tief hinein, ich war bis zum Kopf drinnen. Mein Verstand sagte mir ich müsse auftauchen um Luft zu schnappen, aber du hattest mich bereits komplett aufgesaugt. Schließlich gab mein Verstand auf und öffnete dir die verschlossene Tür, die du einst geöffnet hattest und die seitdem von tiefen Rissen durchzogen war. Ich war tief entschlossen, dass das Universum es uns endlich leichter machen würde.<<Diesmal entkommst du mir nicht.>>
Aus dem Fernseher kam Musik, es lief Call It Fate, Call It Karma von The Strokes. Während dir noch Tränen die Wangen runterliefen, fingst du plötzlich an laut zu lachen. Ich wusste nicht worüber, so fing ich ebenfalls an. Du gabst mir einen Kuss, und beim zweiten schloss ich meine Augen. Beim dritten lagen wir bereits auf der Couch. Wir unterhielten uns über alles mögliche, Vergangenheit, Zukunft, und kamen dabei gar nicht aus dem Lachen raus. Wir fielen ständig auf den Boden, wälzten uns, lachten uns zu Tode, und kletterten wieder zurück auf die Couch. Ich war wieder der glücklichste Mann auf Erden. Ich liebe dich.
Auf einmal spürte ich ein Erwachen. Ein leises Ticken einer Uhr, Anfangs noch ganz leise. Deine Tränen veränderten sich. Sie wurden schwer, dunkel, unendlich traurig. Es schien kein Ende zu finden, und das Ticken wurde langsam, aber unaufhaltsam lauter.
<<Halt mich, halt mich fest. Komm fester an mich. Erlaub mir nicht mich zu leeren. Zu fließen. Verschließ mich.>> schluchtest du plötzlich. Etwas plagte dich, und ich war fest entschlossen dagegen anzukämpfen. Ich packte dein Gesicht mit beiden Händen, überschüttete dich mit Küssen, auf deine Stirn, Nase, Hals. Wischte verzweifelt deine Tränen weg. Aber es war, als wollte dein ganzer Körper auslaufen.
Das laute Ticken wurde allmählich zum Alarm. <<Die Uhr, wo ist diese gottverdammte Uhr?!>>, brüllte ich. Ich blickte mich um um sie zu finden, doch sie war nicht im Raum. An der Wand erschien plötzlich eine Tür. Der Alarm war nun ohrenbetäubend laut, deine Tränen ein reißender Wasserfall. <<Ich gehe die Uhr suchen! Bleib hier, rühr dich nicht vom Fleck!>>, schrie ich, um den Lärm zu übertönen. Ich riss die Tür auf und stürmte hinaus.
Die Tür fiel hinter mir ins Schloss. Mit einem Schlag war es mucksmäuschenstill. Kein Alarm, kein Ticken, und kein Weinen mehr. Eine furchtbare Vorahnung packte mich, und ich riss die Tür panisch wieder auf, um zurück in den Raum zu stürmen. Ich blickte mich um, doch ich fand nur Leere.
Du warst nicht mehr da.