Die meisten Menschen kennen den argentinischen Tango wegen seines Rhythmus, seiner Melodien und der Tatsache, dass er untrennbar mit Buenos Aires verbunden ist. Ein Konzertmusiker hingegen sieht oft mehr als nur die allseits bekannte Tanztradition. Der Tango blickt auf eine lange Geschichte zurück und verfügt über ein Repertoire, das sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt und erweitert hat, was den Interpreten viel Spielraum lässt. Manche halten sich eng an die traditionellen Interpretationen. Andere streben nach etwas Zeitgenössischerem. So oder so: Die Musik überzeugt.

Was macht den argentinischen Tango so ausdrucksstark?

Ein Teil des Charakters des Tangos beruht auf dem Kontrast zwischen Leidenschaft und Zurückhaltung. Eine Darbietung kann zwischen rhythmischer Intensität und ruhigeren, nachdenklicheren Passagen wechseln und so eine Musik schaffen, die sich zugleich dramatisch und intim anfühlt. Das Bandoneón wird mittlerweile eng mit dem Klang des argentinischen Tangos assoziiert, während Instrumente wie Violine, Klavier und Cello unterschiedliche Klangfarben und Texturen beisteuern können.

Auch das Repertoire spiegelt die Entwicklung des Genres wider. Der traditionelle argentinische Tango kann neben Werken von Komponisten stehen, die seine Grenzen erweitert und neue Möglichkeiten für die konzertante Aufführung geschaffen haben. Astor Piazzolla spielt in dieser Entwicklung eine besonders wichtige Rolle. Sein „Tango Nuevo“ brachte Elemente des Tangos in neue musikalische Kontexte ein und trug dazu bei, seine Kompositionen im Konzertrepertoire zu etablieren.

Vom traditionellen Tango zum Tango Nuevo

Der Unterschied zwischen traditionellem Tango und Tango Nuevo besteht nicht lediglich in alten und neuen Kompositionen. Er spiegelt auch unterschiedliche Denkweisen über das Genre wider. Das traditionelle Tango-Repertoire bleibt ein wichtiger Bestandteil der musikalischen Tradition, während der Tango Nuevo neue harmonische, rhythmische und stilistische Möglichkeiten eröffnet hat.

Diese Kombination steht im Mittelpunkt des Schaffens von MÁS QUE TANGO, dem Ensemble unter der Leitung der Pianistin Iris Lichtinger und des Geigers Martin Franke. Ihr Repertoire reicht vom traditionellen argentinischen Tango bis zum zeitgenössischen Tango und umfasst Programme, in denen der Tango Nuevo mit Musik aus anderen Traditionen kombiniert wird.

Was bedeutet „MEHR ALS TANGO“?

Der Name MÁS QUE TANGO spiegelt das Bestreben des Ensembles wider, den Tango über eine einzelne musikalische Kategorie hinaus zu führen. Zu seinen Programmen zählen Konzerte und Konzert-Lesungen in Kooperation mit international tätigen Bandoneón-Meistern wie Victor Villena oder Marcelo Mercadante sowie Kombinationen aus Tango und klassischem Repertoire.

So vereint beispielsweise das Programm „C'est l'amour“ Musik von Astor Piazzolla mit Stücken aus der Blütezeit des argentinischen Tangos und Werken aus dem klassischen Repertoire. Das Programm umfasst zudem gesprochene Texte, die sich mit dem Thema Liebe auseinandersetzen, und schafft so ein Konzerterlebnis, das Musik und Erzählung miteinander verbindet.

Andere Programme von MÁS QUE TANGO konzentrieren sich speziell auf Piazzolla, darunter eine Konzertlesung über sein Leben, die seine Musik mit Erzählungen verbindet. Diese Projekte zeigen, wie der argentinische Tango durch verschiedene musikalische und theatralische Formate präsentiert werden kann, ohne dabei seinen unverwechselbaren Ausdruckscharakter zu verlieren.